"Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." (Eph 5,8b.9). - So liest sich der Wochenspruch der jetzt endenden Woche.
Als Kinder des Lichts sollen wir wandeln - ich, du, wir - Wie soll das gehen? - frage ich mich… Vielleicht sind die Worte aus dem Epheserbrief als Einladung gemeint, als Ermutigung, aber mir kommt beim Lesen vor allem ein Anspruch entgegen. Der Anspruch, als Kind des Lichts zu wandeln, um dann gute Frucht zu bringen. Das klingt für mich eher nach Ausrufezeichen und Imperativ.
Und daran kann ich doch nur scheitern. Denn immer wieder merke ich bei mir und bei anderen, wie schwer wir uns tun, im Licht und voller Güte, Wahrheit und Gerechtigkeit zu leben (ganz abgesehen davon, dass ich oft nicht weiß, was sich genau hinter diesen großen Wörtern verbirgt). Geheimnis also und ein Anspruch, den ich so, wie er mir gerade entgegenkommt, nicht erfüllen kann. …
An einem Abend vor ein paar Tagen sitze ich im Abendgebet in der Stiftskirche auf dem Petersberg, in der es oft ein Spiel aus Licht und Schatten gibt. Plötzlich merke ich, wie ein Lichtstrahl direkt auf das silberne Kreuz auf meiner Brust fällt und entdecke, wie mein Kreuz wiederum ein helles und strahlendes Lichtkreuz in meinen Liturgieordner malt (etwas schwer zu erkennen auf dem Bild unten). Dieses kleine Geschehen berührt mich unvermittelt und ist mir Erinnerung. Erinnerung an die Kinder des Lichts, als die wir wandeln sollen. Dieses kleine Lichtkreuz kommt mir wie eine Einladung entgegen: Lass dich anscheinen! Und ich denke mir: Das ist ja schon schwer genug. Im Dunkeln sind die Dinge, die unschönen Dinge, viel besser verborgen. Vor mir und vor anderen. Sich anscheinen, anstrahlen zu lassen- das kostet Mut finde ich. Das bedeutet: Man sieht mich. Das gilt für mein Äußeres und ich glaube auch für mein Inneres. Im Licht bin ich strahlender, aber auch ungeschützter als im Dunkeln. Aber auch nur so, nur im Licht, kann Gutes von mir abstrahlen.
Als ich die Kirche verlasse, nehme ich mir die Ermutigung mit, mich mutig anstrahlen zu lassen, bereit zu sein, dass Gutes und Helles von mir abstrahlt und so als Kind des Lichts zu wandeln. Nicht (nur) aus meiner eigenen Kraft und Anstrengung, gut zu sein, sondern weil Helle abstrahlt, wenn ich mich dem Licht aussetze. Das scheint mir schwer genug. Und dann ist es vielleicht eher ein: „als Kind IM Licht wandeln“. Meine Hoffnung ist, dass ich dann heimlich, still und leise auch immer wieder als Kind des Lichts durch diese Welt wandle.
Sr. Alena Bäumer
Kloster Petersberg