Hören will ich, was Gott redet. Wahrlich er redet Frieden.

Ein geschnitztes Ohr, ich habe es zum Geburtstag bekommen. Eine Mitschwester hat es mir geschnitzt. Das hat mich sehr berührt, denn kurz zuvor hatten wir unsere gemeinsamen Communitätstage zum Thema Gehorsam. Dort wurde mir wieder neu wichtig, hören will ich einüben, natürlich auf Gott, aber auch auf mein Gegenüber. Gar keine so leichte Übung für einen temperamentvollen Menschen wie mich. Schnell meine ich das Gesagte erfasst zuhaben, bevor alles ausgesprochen ist. Oft mache ich aber überraschende Entdeckungen, wenn ich mit Reaktionen warte, bis das Gegenüber wirklich zu Ende geredet hat. Oft ist es anders, als ich gedacht habe. Das geschnitzte Ohr ist jeden Tag eine Erinnerung: Abwarten! Hören! 

Auch das Hören auf Gott braucht Zeit. Nicht immer ist alles so klar, wie es vielleicht scheint oder so schweigend, wie man vielleicht meint. In Jesaja 50 findet sich die Formulierung, dass Gott das Ohr weckt, wörtlich könnte man auch übersetzen, dass er einem das Ohr aufgräbt. Unser Ohr muss erst eine geistliche Hörfähigkeit erlangen. So wie die Mitschwester Stück für Stück ein Ohr aus dem Holz hervorgeholt hat, so stelle ich mich vor, macht Gott Stück für Stück unser Ohr hörfähig für Ihn selbst.

Hören will ich, was Gott redet, wahrlich er redet Frieden. Im Psalm 85,9 finden wir eine wunderbare Hilfe zum Erkennen, was Gottes Stimme bewirkt, Frieden.

Leihen wir Ihm unser Ohr, dass Er es formt, dass wir Seine Stimme hören, dass Friede in uns einzieht.

 

Sr. Susanne Aeckerle/ Ordenshaus Selbitz